Deutscher Kinderschutzbund Bundesverband e.V.
Fachtag „Migration, Integration, Inklusion – Anforderungen an das Elternbildungsangebot Starke Eltern – Starke Kinder®“
Vorträge
Nach der Begrüßung durch DKSB-Präsident Heinz Hilgers hielt Prof. Dr. Veronika Fischer von der Hochschule Düsseldorf den ersten Grundsatzvortrag zum Thema „Migration – Integration – Inklusion: Plädoyer für eine diversitätsbewusste Eltern- und Familienbildung“. In ihren Ausführungen zeigte sie auf, dass die Gründe für Migration und auch Fluchtmigration unterschiedlich seien sowie insgesamt der Umfang, die Reichweite und Dynamik des globalen Weltgeschehens zugenommen hätten. Hieraus erwüchsen gesellschaftliche Integrationserfordernisse, die der Vielfalt der Lebenslagen, Lebensstile und Wertorientierungen Rechnung tragen müssten. Daher bedürfe es auf der pädagogischen Ebene eines diversitätsbewussten Ansatzes, der die Ressourcen der Betroffenen im Blick habe und Inklusion ermögliche. Verbunden damit sei auch der politische Ansatz, strukturelle Benachteiligungen, insbesondere im Bildungssystem, abzubauen. Ein Konzept von Familienbildung im Deutschen Kinderschutzbund auf der Grundlage des Leitbildes müsse Anerkennung, Antidiskriminierung/Antirassismus, Teilhabe und Empowerment zum Ziel haben. Eine Zusammenfassung des Vortrages der Referentin selbst finden Sie hier.

In einem weiteren Vortrag fokussierte Prof. Dr. Leonie Herwartz-Emden von der Universität Augsburg „Angebote der Familienbildung an Eltern und Familien nach ihrer Flucht“. Anknüpfend an die Erkenntnisse aus der Migrations- und Bildungsforschung stellte sie die Situation und Rolle der Familie in den Mittelpunkt ihrer Ausführungen. Denn Familien seien ein zentraler Ort für den Alltag von Migrations- und Fluchtfamilien, der Ort für Erziehung, Bildung und Pflege für Kinder und Jugendliche. Und gerade die Kinder und ihre Erziehung und Versorgung zwängen Familien nach der Flucht zu kulturellen Anpassungsprozessen (Akkulturation). Wie gut oder schlecht diese gelingen, hänge auch vom familiären Zusammenhalt, den verfügbaren Ressourcen, den Belastungen und den Bildungshintergründen ab. Gerade mit Blick auf Flüchtlingsfamilien ergäben sich insbesondere durch die Bildungsbeschränkungen zusätzliche Risiken für die Kinder. Familienbildungsarbeit in diesen Kontexten müsse diese Mangelsituationen mit den zugehörigen Verunsicherungen berücksichtigen. Eine Zusammenfassung des Vortrages der Referentin selbst finden Sie hier.

Vorstellung der Integrationsbausteine

Im Anschluss stellte Cordula Lasner-Tietze, stellvertretende DKSB-Bundesgeschäftsführerin, die Integrationsbausteine als Familienbildungsangebot in Kindertageseinrichtungen, Gemeinschaftsunterkünften sowie Familienbegegnungsstätten vor.

Mit seinem kinderpolitischen Programm macht der Deutsche Kinderschutzbund darauf aufmerksam, dass Kinder mit Zuwanderungsgeschichte wesentlich häufiger diskriminiert werden als andere Kinder. Dies gilt in noch stärkerem Maße für Kinder, die mit ihren Familien nach Deutschland flüchten. Bietet die Unterbringung in Gemeinschaftsunterkünften zwar einerseits Schutz vor Krieg und Vertreibung, so ist sie andererseits kein kindgerechter Ort zum Auswachsen. Auch für ihre Eltern ist die Situation schwierig, da oftmals die Bleibeperspektive unklar ist, schwierige Fluchterfahrungen vorliegen und Unsicherheiten und Unkenntnisse über das neue Land bestehen. In dieser Lebenssituation kann es sein, dass es an pädagogischer Unterstützung der Kinder mangelt, an entwicklungsgerechten Lernräumen und Entwicklungsmilieus, die die Kinder zur Bewältigung der notwendigen Entwicklungsschritte brauchen.

Daher möchte der Deutsche Kinderschutzbund mit seinen Integrationsbausteinen Kinder und Familien nach ihrer Flucht frühzeitig unterstützen und einen Beitrag zur Stabilisierung und Wiedererlangung der psychischen Gesundheit von Kindern leisten. Das Angebot soll die Motivation und Bereitschaft von Eltern stärken, Angebote der frühen Förderung anzunehmen und mitzugestalten. Dabei werden die Belastungsfaktoren berücksichtigt und Hilfestellung bei der Stärkung der Erziehungskompetenz gegeben. Das Kind steht dabei im Mittelpunkt – seine Rechte und alters- sowie entwicklungsgerechten Bedürfnisse. Fachkräfte, die entsprechend geschult werden, sollen Familien nach ihrer Flucht im Rahmen von Information, Aufklärung und Bildung dort erreichen, wo sie leben. Gleichzeitig wollen die Integrationsbausteine den Eltern auch einen Raum geben, Entscheidungs- und Reflexionsprozesse bezüglich kultureller Werte des Herkunfts- und Zukunftslandes im Austausch zu vollziehen.

Die Themen der Integrationsbausteine lauten:
1. Herkunft und Identität
2. Kultur und Werte
3. Kommunikation und Sprache
4. Erziehungsverantwortung und Kinderrechte
5. Kindliche Entwicklung und Sozialisation
6. Bildung und Gesundheit

Ein entsprechendes Handbuch wird bis Ende des Jahres erarbeitet. Ab dem Frühjahr können dann Fachkräfte geschult werden, die diese Integrationsbausteine beispielsweise in Flüchtlingseinrichtungen anbieten. Fachkräfte sind einerseits Elternkursleitungen Starke Eltern – Starke Kinder®, die zusätzliche Erfordernisse erfüllen müssen, bzw. weitere Fachkräfte, die insbesondere in der Arbeit mit geflüchteten Kindern und ihren Familien erfahren sind. Ermöglicht werden diese Aktivitäten und Angebote durch eine entsprechende Förderung des Bundesfamilienministeriums in Höhe von 120.000 Euro bis Ende 2017.

Weitere Informationen zu den Integrationsbausteinen finden Sie hier.

Diskussionsrunde
An der abschließenden Diskussionsrunde nahmen neben den beiden Wissenschaftlerinnen Prof. Dr. Veronika Fischer (Hochschule Düsseldorf) und Prof. Dr. Leonie Herwartz-Emden (Universität Augsburg) mit Funda Karaca (Muslimisches Familienbildungswerk Köln) und Arta Gold (DKSB Bundesverband e.V.) auch zwei Praktikerinnen teil. Dabei ging es vor allem um die Fragen, was Kinder und ihre Familien nach der Flucht bewegt, welche Hilfen und Unterstützungsangebote für sie notwendig sind und was sie brauchen, um den Integrationsprozess gelingend zu bewältigen.


Von links nach rechts: Prof. Dr. Leonie Herwartz-Emden (Universität Augsburg), Funda Karaca (Muslimisches Familienbildungswerk Köln), Fernsehmoderator Mitri Sirin, Arta Gold (DKSB Bundesverband e.V.), Prof. Dr. Veronika Fischer (Hochschule Düsseldorf) und Cordula Lasner-Tietze (stellvertretende DKSB-Bundesgeschäftsführerin)

Fotos: DKSB/Swaantje Düsenberg

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