Deutscher Kinderschutzbund Bundesverband e.V.
Fachtagung des Deutschen Kinderschutzbundes
Fachtagung des DKSB „Kinderschutz vor neuen Herausforderungen“ im Rahmen der erweiterten Kinderschutztage 2015

Mit der Fachtagung sollen neben der Aufarbeitung der Vorwürfe über die Einflussnahme pädophiler Netzwerke im DKSB in den 1980er-Jahren ebenso die Möglichkeiten geschaffen werden, konstruktiv die Bedingungen und Voraussetzungen des Kinderschutzes von „heute“ zu diskutieren und Anforderungen sowie Rahmenbedingungen für den Kinderschutz von „morgen“ zu entwickeln. Die daraus resultierenden Erfordernisse und Notwendigkeiten sowie Positionierungen sind Grundlage für die Weiterentwicklung des Schutzes der Kinder insbesondere auch vor sexualisierter Gewalt in Institutionen, denn die Rahmenbedingungen für den Schutz, die Förderung und Beteiligung von Kindern sind unabdingbar, um eine gesunde Entwicklung für Kinder zu gewährleisten und deren Lebensbedingungen nachhaltig zu verbessern. Das Ziel der Fachtagung ist daher die Weiterentwicklung des präventiven Kinderschutzes in Bezug auf Information und Qualifizierung all derjenigen, die mit Kindern und Jugendlichen arbeiten, sowie die Angebotsentwicklung im und außerhalb des Verbandes zum besseren Schutz von Mädchen und Jungen vor Missbrauch und Gewalt.

Hier finden Sie die ausführliche Dokumentation der Fachtagung.


Donnerstag, 14. Mai 2015

Pressekonferenz

v.l.n.r: Paula Honkanen-Schoberth, Prof. Dr. Sabine Andresen, Heinz Hilgers, Katharina Trittel, Johannes-Wilhelm Rörig

Im Herbst 2013 wurde der Deutsche Kinderschutzbund (DKSB) mit dem Vorwurf konfrontiert, dass pädophile Netzwerke in den 1980er-Jahren versuchten, Einfluss auf den DKSB zu nehmen. Daraufhin hat der Verband das Göttinger Institut für Demokratieforschung gebeten, eine unabhängige Untersuchung durchzuführen, um die Vorwürfe lückenlos aufzuklären und aufzuarbeiten. Der Abschlussbericht zum Forschungsprojekt "Umfang, Kontext und Auswirkungen pädophiler Forderungen innerhalb des Deutschen Kinderschutzbundes" des Göttinger Instituts für Demokratieforschung wurde am Nachmittag der Tagung veröffentlicht. In der Pressekonferenz unter dem Titel "Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft - Aufarbeitung der Vorwürfe versuchter Einflussnahme" sprachen Paula Honkanen-Schoberth (Bundesgeschäftsführerin des DKSB), Prof. Dr. Sabine Andresen (Vizepräsidentin des DKSB), Heinz Hilgers (Präsident des DKSB), Katharina Trittel (wissenschaftliche Mitarbeiterin am Göttinger Institut für Demokratieforschung) sowie Johannes-Wilhelm Rörig (Unabhängiger Beauftragter in Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs) über den Bericht und daraus resultierende Folgen.

Die Pressemitteilung finden Sie hier.



Eröffnung der Fachtagung durch Heinz Hilgers, Präsident des DKSB
DKSB-Präsident Heinz Hilgers eröffnete am Donnerstag, 14. Mai 2015, die Fachtagung des DKSB "Kinderschutz vor neuen Herausforderungen."

Der DKSB nimmt seine Verantwortung wahr. Der Botschaften-Leitfaden zur Aufarbeitung sexualisierter Gewalt stellt einen normativen Rahmen für die Kinderschutz- und Kinderrechtearbeit im Verband dar und ist damit Teil der Aufarbeitung sexuellen Missbrauchs in Einrichtungen oder Diensten der Ortsverbände des DKSB.


Grußwort Johannes-Wilhelm Rörig, Unabhängiger Beauftragter für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs
Johannes-Wilhelm Rörig, Unabhängiger Beauftragter für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs, würdigte in seinem Grußwort den Mut und das große Engagement des Kinderschutzbundes, sich der Aufarbeitung zu stellen. Er sieht in der Fachtagung den ersten von vielen Schritten, um die mögliche Einflussnahme von Pädosexuellen in den 1980er-Jahren zu untersuchen und den Opfern eine Anlaufstelle zu bieten.


Vorstellung "Unabhängige Studie zur Aufarbeitung der Vorwürfe der Einflussnahme pädophiler Netzwerke auf den DKSB"
Katharina Trittel vom Göttinger Institut für Demokratieforschung stellte die "Unabhängige Studie zur Aufarbeitung der Vorwürfe der Einflussnahme pädophiler Netzwerke auf den DKSB" vor. Sie betonte, dass - trotz einiger offengelegten schmerzhaften Informationen aus der Vergangenheit des DKSB - von einer angenommenen systematischen Unterwanderung des Verbands durch Pädosexuelle keine Rede sein kann.


Podiumsdiskussion "Bedeutung von Aufarbeitungsprozessen von sexualisierter Gewalt an Kindern"


v.l.n.r: Prof. Dr. Sabine Andresen, Katharina Trittel, Constanze Schulze, Dr. Christina Bergmann, Matthias Katsch, Prof. Dr. Claudia Bundschuh

In der Diskussionsrunde wurde die Bedeutung von Aufarbeitung als eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe betont. Dabei wurde deutlich, dass die Präsentation des wissenschaftlichen Abschlussberichts nicht das Ende, sondern der Beginn der Auseinandersetzung mit dem Thema Aufarbeitung im Verband sein muss. Es müssen Fragen beantwortet werden bezüglich der Struktur, der Rahmenbedingungen und der Kommunikation des Verbandes, der historischen Einordnung einzelner Personen, der Berücksichtigung und Anerkennung des Leids der Betroffenen, dem Prozess der Antipädagogik, Qualifizierungsmaßnahmen aller Beteiligten etc. Für einen kontinuierlichen Aufarbeitungsprozess braucht es Willen, Zeit und Geduld.
An der Diskussionsrunde nahmen Dr. Christine Bergmann (Bundesfamilienministerin a.D.), Matthias Katsch (Eckiger Tisch), Prof. Dr. Claudia Bundschuh (Hochschule Niederrhein), Prof. Dr. Sabine Andresen (Vizepräsidentin des DKSB) und Katharina Trittel (Institut für Demokratieforschung Göttingen) teil. Moderiert wurde die Diskussion von Constanze Schulze vom Bayerischen Fernsehen.


Pause


Nach so viel Input und vielen Diskussionsbeiträgen stärkten sich die Teilnehmer bei einer kleinen Pause, bevor es mit dem letzten Vortrag des Abends weiterging.


Vortrag: "Primäre Prävention sexueller Traumatisierung von Kindern: Theorie und Praxis", Prof. Dr. med. Dr. phil. Klaus M. Beier, Charité Berlin


Den Abschluss des ersten Tages bildete der Vortrag "Primäre Prävention sexueller Traumatisierung von Kindern: Theorie und Praxis" von Prof. Dr. med. Dr. phil. Klaus M. Beier von der Charité Berlin. Dieser ging der Frage nach, welche Programme und Möglichkeiten bestehen, Prävention von sexuellem Kindesmissbrauch im Dunkelfeld durch Täterarbeit zu realisieren. In diesem Zusammenhang stellte Prof. Beier die Präventionsprojekte "Kein Täter werden" für Erwachsene und vor allem "Primäre Prävention von sexuellem Kindesmissbrauch durch Jugendliche" (PPJ) vor. Vor dem Hintergrund Opferschutz durch Therapie richten sich die Projekte an Personen, deren sexuelle Fantasien und Verhaltensweisen auf Kinder gerichtet sind und auf pädophile Neigungen hinweisen. Mit gründlicher Diagnostik und einem begleitenden interdisziplinären Therapieangebot sollen Menschen, die eigene sexuelle Übergriffe befürchten, darin unterstützt werden, diese Impulse zu bewältigen und zu kontrollieren.


Freitag, 15. Mai 2015

Begrüßung
Am zweiten Tag der Fachtagung begrüßte Prof. Dr. Sabine Andresen, Vizepräsidentin des DKSB, die Teilnehmerinnen und Teilnehmer und führte durch das weitere Programm.


Vortrag: "Die letzten 75 Jahre: Was wir heute aus ihnen für uns lernen können", Prof. Dr. Günther Deegener
Prof. Dr. Günther Deegener, 1. Vorsitzender des DKSB Landesverband Saarland, stellte sich in seinem Vortrag der Frage, wie man in der Kinder- und Jugendhilfe aus eigenen Fehlern lernen kann, um diese zukünftig zu vermeiden. Dazu bemühte er einen Blick zurück auf die vergangenen 75 Jahre und eine kritische Auseinandersetzung mit den gesellschaftlichen Entwicklungen und Umbrüchen in der Helferszene in Bezug auf relevante Themen wie Erziehungsgewalt, Geschlechtersozialisation, Sexualerziehung/-pädagogik, sexueller Missbrauch und Partizipation.


Vortrag: "Eine gewaltfreie Arbeit mit Kindern und Jugendlichen ist möglich!", Andreas Huckele


Andreas Huckele (Autor, systemischer Supervisor und Lehrer) sieht sexuelle Gewalt als ein Massenphänomen in Deutschland und kritisierte aus Sicht der Betroffenen vor allem Tabuisierung und Bagatellisierung der Taten sowie fehlendes Mitgefühl gegenüber den Opfern und die fehlende Integration von Grenzverletzungen. In seiner weiteren Argumentation betonte Huckele vor allem die Notwendigkeit des Verstehens der Zusammenhänge zwischen gesellschaftlichen Bedingungen und dem eigenen Handeln - auch bezogen auf die eigene, pädagogische Arbeit. Die Entwicklung einer gesunden Beziehung zwischen Kindern und Erwachsenen ist in erster Linie davon abhängig, inwieweit Voraussetzungen für einen respektvollen Umgang miteinander geschaffen und Grenzverletzungen vermieden werden.


Pause


Inhaltliche Einführung in den Antrag des Bundesvorstandes "Prävention von und Intervention bei einem vermuteten/tatsächlichen Machtmissbrauch und sexualisierter Gewalt gegen Kinder und Jugendliche in Einrichtungen und Diensten des DKSB", Martina Huxoll-von Ahn
Martina Huxoll-von Ahn, Mitglied der AG Aufarbeitung, führte in den Antrag des Bundesvorstandes "Prävention von und Intervention bei einem vermuteten/tatsächlichen Machtmissbrauch und sexualisierter Gewalt gegen Kinder und Jugendliche in Einrichtungen und Diensten des DKSB" ein. Dieser Antrag, als dritter Teil der Fachtagung, schlägt die Brücke von der Theorie zur Praxis und ist Grundlage der anschließenden sechs Fachforen. Der verabschiedete Antrag kann hier als Beschluss eingesehen werden.


Fachforen
Fachforum 1: Sexualpädagogische Konzepte in Bildungseinrichtungen sowie Angeboten der Kinder- und Jugendhilfe
Prof. Dr. Sabine Andresen, Vizepräsidentin des DKSB, und Astrid Peter, AWO
Mädchen und Jungen sind eigenständige Persönlichkeiten, die ein Recht darauf haben, in einem Umfeld aufzuwachsen, das ihre Bedürfnisse achtet und sie in ihrer Entwicklung unterstützt. Dabei sind die unterschiedliche Lebenssituation und Interessen von Mädchen und Jungen bei allen Entscheidungen und Angeboten alters- und entwicklungsgerecht zu berücksichtigen. Im Bereich der Sexualpädagogik braucht es umfassende, differenzierte, respektvolle und Grenzen achtende Konzepte, die die kindliche Sexualität weder tabuisieren noch ausschließlich aus der Perspektive der Erwachsenen beschreiben und deuten. Unser Anliegen ist es, dieses Thema aus der Perspektive und entsprechend der Entwicklung des Kindes wahrzunehmen und wissenschaftliche Erkenntnisse altersgerecht pädagogisch aufzubereiten.

Fachforum 2: Beschwerdemöglichkeiten und Ombudschaft
Friedhelm Güthoff, Landesverband NRW, unter Beteiligung von Jugendlichen
Im Bundeskinderschutzgesetz wurden erstmals Beschwerdemöglichkeiten als Voraussetzung für die Erteilung der Erlaubnis für den Betrieb einer Einrichtung (§ 45 SGB VIII) festgeschrieben. Zur Umsetzung der Beschwerde in persönlichen Angelegenheiten ist diese jedoch nicht nur auf Einrichtungen mit Betriebserlaubnis beschränkt, sondern gilt im Selbstverständnis des DKSB für alle Verbandsgliederungen als Träger von Einrichtungen und Diensten, in denen sich Kinder oder Jugendliche ganztägig oder für einen Teil des Tages aufhalten oder in denen sie Unterkunft erhalten. Ein Beschwerdeverfahren ist der systematische Prozess der Aufnahme, gemeinsamen Einschätzung und der Entwicklung von Lösungen. Das Beschwerdeverfahren schließt die Kontrolle der Umsetzung der Lösungen mit ein. Zur Verstetigung der Beschwerdeverfahren ist es erforderlich, dass die Einrichtungen des DKSB über ein transparentes und schriftlich fixiertes Beschwerdeverfahren verfügen. Das Fachforum führt dazu ein und entwickelt Formen der Implementierung in der jeweiligen Gliederung.

Fachforum 3: Personalführung
Antje Möllmann, Landesverband Niedersachsen, und Dieter Kaiser, Ortsverband Münster
Bereits im Prozess der Personalauswahl und -einstellung von hauptamtlich Tätigen soll offenkundig werden, dass Schutz vor sexueller Gewalt und ein grenzwahrender Umgang Standard des DKSB ist. Haltung und Position sind in Verfahren für den Umgang mit einem vermuteten/tatsächlichen Beziehungsmissbrauch und sexualisierter Gewalt als Handlungsgrundlage im Verband festgeschrieben. Für ehrenamtlich Tätige gilt, dass bereits bei einer Interessenbekundung zur Mitarbeit im Verband diesbezügliche Informationen und Bezugspunkte dargelegt werden. Zur Prüfung der Eignung ist es weiterhin notwendig, in Gesprächen mit den Bewerberinnen und Bewerbern sowie Interessierten offensiv die Themen: Einstellung und Überzeugung bezüglich Gewalt, Machtmissbrauch, Nähe und Distanz im Betreuungsverhältnis sowie Motivation für das Arbeitsfeld und dessen Aufgaben anzusprechen. Das Fachforum soll insbesondere die Personalverantwortlichen im DKSB in diese Arbeitsaufgaben einführen und konkrete Gesprächsleitfäden erarbeiten, die dann in den Orts- und Kreisverbänden konkret umgesetzt werden können.

Fachforum 4: Krisenmanagement
Prof. Dr. Claudia Bundschuh, Hochschule Niederrhein, und Martina Huxoll-von Ahn, LV NRW
Bei der Intervention steht der Schutz aller beteiligten Personen für die Organisation im Vordergrund. Primär natürlich der der möglicherweise betroffenen Mädchen und Jungen. Gleichzeitig löst der Verdacht sexualisierter Gewalt durch Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen eine krisenhafte Situation bei den verschiedenen Personen einer Organisation aus, weshalb das Krisenmanagement professionell gemeistert werden muss. Dies ist nur dann gut zu bewältigten, wenn bereits im Vorfeld Handlungsstrategien für den Notfall festgelegt und Zuständigkeiten benannt werden. Eine besondere Verantwortung für das Handeln in der Krise kommt hierbei der Führungs bzw. Leitungsebene zu. Ein solcher "Notfallplan" muss natürlich an der jeweiligen Organisation, also an dem jeweiligen Orts, Kreis- und Landesverband ausgerichtet sein. Dennoch können grundsätzlich zu ergreifende Schritte und Maßnahmen benannt werden. Das Fachforum führt in das Krisenmanagement ein und es werden Elemente eines Krisenplans vorgestellt.

Fachforum 5: Beteiligung
Carsten Spies, Landesverband Mecklenburg-Vorpommern, und Stefan Behr, Landesverband Saarland
Beteiligung, als ein starkes Kinderrecht, ist die Einbeziehung von Kindern und Jugendlichen in die Entscheidungen und Prozesse, die Auswirkungen auf ihr Leben und ihre Lebensumstände haben. Die kontinuierliche Beteiligung von Mädchen und Jungen durch Mitsprache, Motivation von Eigeninitiative, Mitbestimmung und Beschwerdemöglichkeiten stärkt das Vertrauen in Erwachsene, in das Lebensumfeld und ist Grundlage für Gewaltprävention sowie Bildungs- und Demokratieprozesse. Diese beteiligungsorientierte und beschwerdeoffene Kultur eröffnet Kindern einen aktiven sowie tatsächlichen Zugang zu ihren Rechten und die kritische Betrachtung bei deren Umsetzung. Welche Formen und Möglichkeiten hierzu in den Gliederungen entwickelt werden können, wird durch den Referenten einerseits vorgestellt und andererseits mit den Teilnehmern und Teilnehmerinnen diskutiert.

Fachforum 6: Fachliche Herausforderungen
Barbara Ameling, Kreisverband Nürnberg, und Renate Blum-Maurice, Ortsverband Köln
Zur Sensibilisierung und fortlaufenden Auseinandersetzung für/mit Gefahrenpotentiale/n und Gelegenheitsstrukturen, die sich im pädagogischen Arbeitsalltag ergeben können, sind Schulungen, Fort- und Weiterbildungen bzw. spezifische Qualifizierungen obligatorisch. Haupt- und ehrenamtlich Tätige benötigen fachliche Kenntnisse und Orientierung. Kontinuierliche, auch wiederkehrende sowie aufbauende Fortbildungsinhalte sowie gezielte Weiterbildungen erweitern spezifisches Wissen, stärken den Austausch und verstetigen das Thema in Hinblick auf die Sicherung der Rechte von Kindern in der Einrichtung. Kollegiale Beratung/Supervision sind Instrumente der Reflexion der Handlungsweisen des Einzelnen, des Teams, der Organisation und dienen der Sicherung der Standards und Prinzipien der Arbeit. Beiden Instrumenten kommt eine hohe Bedeutung zu, da diese die Möglichkeit schaffen, Problemlagen vertrauensvoll und unabhängig von Struktur- und Machtverhältnissen zu reflektieren. Unsicherheiten werden abgebaut und notwendige Handlungsstrategien für einen besseren Schutz in der Einrichtung werden entwickelt.



Vortrag: "Neu(?)-Tabuisierung kindlicher Sexualität", Dr. des. Julia König


Vor dem Hintergrund des übergeordneten Themas Aufarbeitung analysierte Dr. des. Julia König (Goethe Universität Frankfurt) zunächst die Diskurslage und Ursachen der Verharmlosung von Gewalt an Kindern. Im Bereich der kindlichen Sexualität geht es dabei vor allem um die Differenzierung von Frühsexualisierung und dem Mythos des asexuellen Kindes. König plädierte dafür, das Thema Sexualität bei Kindern keinesfalls zu tabuisieren, sondern Sexualität viel mehr als genuinen Bestandteils in der Beziehung zwischen Kindern und Erwachsenen und damit als essentiellen Teil des kindlichen Sozialisationsprozesses anzuerkennen. Sexualität muss daher immer auch aus der Perspektive - entsprechend der Entwicklung - des Kindes betrachtet werden, um allen kindlichen Bedürfnissen gerecht zu werden und die kindliche Integrität nicht zu verletzen. Die anschließende Diskussion unterstrich die Notwendigkeit von sexualpädagogischen Konzepten und Fortbildungen für Bezugspersonen in der Kinder- und Jugendhilfe.


AG Aufarbeitung

v.l.n.r: Herbert Stelter, Sabine Andresen, Martina Huxoll-von Ahn, Dieter Kaiser, Cordula Lasner-Tietze, Susanna Kaiser, Dietmar Siegert, Iris Krämer

Mit Beschluss des Bundesvorstandes und der Landesvorsitzendenkonferenz zur gemeinsamen Sitzung am 9. November 2012 in Mannheim wurde eine Arbeitsgruppe ins Leben gerufen, die die Aufarbeitung zu den Vorwürfen der versuchten Einflussnahme pädophiler Netzwerke auf den DKSB aus der Verbandsmitte heraus unterstützen soll. Eine Aufgabe dieser Arbeitsgruppe war es unter anderem, anhand der Identifizierung von Themen im Zusammenhang mit dem Thema Aufarbeitung der Vorwürfe der Einflussnahme pädophiler Netzwerke auf den DKSB eine fachliche Einordnung vorliegender Erkenntnisse vorzunehmen. Dazu zählte die Ausgestaltung und Planung der Fachtagung. Ein großer Dank ging an die Mitglieder der Arbeitsgruppe, die die Tagung vorbereiteten und damit sicherstellten, dass neben dem Abschlussbericht der nächste Schritt des Aufarbeitungsprozesses eingeleitet wurde.


© Deutscher Kinderschutzbund Bundesverband e. V. 2016
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