Deutscher Kinderschutzbund Bundesverband e.V.
14.05.2015

Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft – Aufarbeitung der Vorwürfe versuchter Einflussnahme


Berlin, 14. Mai 2015. Im Herbst 2013 wurde der Deutsche Kinderschutzbund
(DKSB) mit dem Vorwurf konfrontiert, dass pädophile Netzwerke in den 1980er-
Jahren versuchten, Einfluss auf den DKSB zu nehmen. Daraufhin hat der Verband
das Göttinger Institut für Demokratieforschung gebeten, eine unabhängige
Untersuchung durchzuführen, um die Vorwürfe lückenlos aufzuklären und
aufzuarbeiten. Der Abschlussbericht zum Forschungsprojekt „Umfang, Kontext
und Auswirkungen pädophiler Forderungen innerhalb des Deutschen
Kinderschutzbundes“ des Göttinger Instituts für Demokratieforschung liegt jetzt
vor.


„Schaut man auf die Beschlüsse der offiziellen Gremien des DKSB, kann von einer
‚Unterwanderung‘ durch Pädophile keine Rede sein“, sagte Katharina Trittel,
wissenschaftliche Mitarbeiterin am Göttinger Institut für Demokratieforschung,
bei der Vorstellung des Abschlussberichtes. „Gleichwohl gibt es strukturelle und
konzeptuelle Schwachstellen, also inhaltliche Punkte, die kritisch bewertet
werden müssen, sowie gesellschaftliche Hintergründe, die Probleme erst sichtbar
und relevant werden lassen.“


Foto (DKSB): Paula Honkanen-Schoberth, Prof. Dr. Sabine Andresen, Heinz Hilgers,
Katharina Trittel, Johannes-Wilhelm Rörig (v.l.)

Die Aufarbeitung der Vergangenheit hat immer mit der Gegenwart und der
zukünftigen Orientierung zu tun. In den vergangenen zwei Jahrzehnten hat der
DKSB innovative Präventions- und Interventionsarbeit in Hinblick auf
gesellschaftliche, institutionelle und familiäre Gewalt geleistet. „Dabei steht für
uns der Schutz der Kinder an erster Stelle. Bereits 1997 hat der Deutsche
Kinderschutzbund in der Mitgliederversammlung als eine der ersten Verbände in
Deutschland Umgangsregeln beim Vorwurf sexueller Übergriffe auf Kinder durch
Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des DKSB verabschiedet“, sagte Paula
Honkanen-Schoberth, Bundesgeschäftsführerin des DKSB. Solche Konzepte
wurden seitdem kontinuierlich aktualisiert und ergänzt. So wurde beispielsweise
2006 die Beschwerdemöglichkeit für Mädchen und Jungen und 2010 in einer
Resolution unter anderem die Vorlagepflicht eines erweiterten
Führungszeugnisses eingeführt; weitere Konzepte folgten.

Grundsätzlich sei es nötig, die eigene Arbeit im Interesse für Kinder kritisch zu
reflektieren, bekräftigte Prof. Dr. Sabine Andresen, Vizepräsidentin des Deutschen
Kinderschutzbundes. Aus diesem Grund war es dem DKSB ein großes Anliegen,
die unabhängige Aufarbeitung des vergangenen Geschehens, der Diskurse und
Ereignisse der 1980er und 1990er-Jahre durch eine Arbeitsgruppe begleiten zu
lassen, die erstens für die Mitglieder eine Fachtagung zur Gesamtthematik
konzipieren sollte und zweitens weitere konzeptionelle Ideen entwickelt. „Darin
sehen wir auch nach der Fachtagung sowie den nun beginnenden Diskussionen
über die Ergebnisse aus Göttingen unsere Aufgabe. Was lernen wir aus der
Aufarbeitung über die Strukturen und Herausforderungen und welche
Rückschlüsse ziehen wir daraus für unsere Arbeit in den unterschiedlichen
Bereichen?“, erläuterte Andresen das weitere Vorgehen des Verbandes. Ein
wichtiger Punkt wird die Schaffung von Ombudschaft im Verband sein.

Wie der Bericht noch einmal aufgezeigt hat, gab es Fälle von Opfern sexuellen
Missbrauchs in Einrichtungen oder Diensten der Ortsverbände des Deutschen
Kinderschutzbundes. DKSB-Präsident Heinz Hilgers: „Wir bitten die Opfer im
Namen unserer betroffenen Ortsverbände nochmals um Verzeihung und bieten
ihnen an, wenn sie Hilfe und Unterstützung möchten, sich an die
Bundesgeschäftsführung des Deutschen Kinderschutzbundes in Berlin -
Paula Honkanen-Schoberth und Cordula Lasner-Tietze - zu
wenden.“

Johannes-Wilhelm Rörig, Unabhängiger Beauftragter für Fragen des sexuellen
Kindesmissbrauchs, begrüßte das Vorgehen des DKSB bei der Aufarbeitung und
betonte darüber hinaus die Verantwortung von Politik und Gesellschaft:
„Aufarbeitung darf nicht verschleppt werden. Es ist für Betroffene von größter
Bedeutung, dass Bundestag und Bundesregierung aktuell die Weichen für eine
Unabhängige Aufarbeitungskommission auf Bundesebene stellen. Ab 2016 wird
diese neue Aufarbeitungskommission Betroffene aus allen Missbrauchskontexten
– auch dem familiären Bereich – anhören und hoffentlich zu einer breiteren
gesellschaftlichen Debatte und zur Verbesserung des Schutzes vor
Kindermissbrauch beitragen“, so Rörig.

Hier finden Sie den Abschlussbericht des Göttinger Instituts für Demokratieforschung mit Anhang.

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