Deutscher Kinderschutzbund Bundesverband e.V.
21.05.2016

Kinderschutztage in Aachen eröffnet


Aachen, 21. Mai 2016. Im Krönungssaal des Aachener Rathauses hat der Deutsche Kinderschutzbund e.V. (DKSB) seine diesjährigen Kinderschutztage eröffnet, bei denen sieben Mitglieder für ihr langjähriges ehrenamtliches Engagement geehrt wurden.

Inklusion und Integration sind zurzeit die beherrschenden Themen des Kinderschutzes. Auch in Aachen, wie Brigitte Radke, Vorsitzende des DKSB Ortsverbandes Aachen e.V., bei der Eröffnungsfeier betonte. „Kinderrechte gelten für alle Kinder!“, sagte sie im Hinblick auf die Kinder, die auf der Flucht vor Gewalt, Armut und Tyrannei Europa erreichen. Allerdings würden diese Rechte, die in der UN-Kinderrechtskonvention verbürgt sind und die auch die Bundesrepublik Deutschland unterschrieben hat, oft den Kindern verwehrt. „Das Wohl aller Kinder steht für die Aachener Kinderschützer immer an erster Stelle und prägt deren tägliche Arbeit“, so Brigitte Radke.

Auch wenn die meisten Kinder in Deutschland liebevoll und behütet aufwachsen dürften, so Oberbürgermeister Marcel Philipp, gebe es auch diejenigen, die auf sich gestellt, die verstummt seien. „Diesen Kindern muss man eine Stimme geben, ein Ohr, das ihnen zuhört, und eine Hand, die sich für sie einsetzt.“ Genau an dieser Stelle setze der Deutsche Kinderschutzbund als „Anwalt der Kinder“ an, ungeachtet der Religion, Herkunft und des sozialen Status. „Deshalb sind Sie zu einer unverzichtbaren Lobby geworden“, sagte Oberbürgermeister Philipp.

DKSB-Präsident Heinz Hilgers kritisierte das von der Bundesregierung geplante Integrationsgesetz scharf. Ihn bedrücke vor allem das Menschenbild, das aus ihm spreche: „Man glaubt, Menschen entwickeln sich nur, wenn man sie mit Sanktionen bedroht.“ Die beabsichtigte Botschaft sei nach Hilgers: „Kommen Sie nicht nach Deutschland, da haben Sie keine Zukunft.“ Hinzu komme die Unmenschlichkeit durch Bürokratie. „Hier stehen oft Formulare über dem Grundgesetz. Das ist eine fürchterliche Reihenfolge für Menschen, die auf diese Formulare angewiesen sind“, sagte Hilgers. Daher sein Appell an die Politik: „Bitte machen Sie nicht ständig in Hektik neue Gesetze. Was wir brauchen, ist eine besonnene Politik, die nicht den Rechtspopulisten hinterherläuft, sondern getragen wird von einer ethischen Grundhaltung und einem Menschenbild, dass diese Menschen sich einbringen und ihr Leben gestalten wollen.“

Die Vizepräsidentin des Deutschen Bundestages, Ulla Schmidt, hob in ihrem Grußwort hervor: „Kinderschutz ist mehr als nur der körperliche oder seelische Schutz von Kindern. Er geht weit darüber hinaus. Wir müssen auch ihre Wünsche und ihre Träume schützen und sie dazu ermutigen, ihre Fähigkeiten zu entfalten und ihr Leben nach ihren eigenen Vorstellungen zu gestalten. Deshalb ist es gut, dass es den Deutschen Kinderschutzbund gibt.“

Bernd Neuendorf, Staatsekretär des Ministeriums für Familie, Kinder, Jugend, Kultur und Sport des Landes Nordrhein-Westfalen, unterstrich in seiner Rede: „Das Flüchtlingsthema ist im Bereich der sozialen Sicherungs- und Unterstützungssysteme überall präsent. Hier müssen wir gemeinsam eine Antwort auf die Frage finden, wie wir für jeden Einzelnen Teilhabe und Integration in eine inklusive Gesellschaft möglich machen können. Frühe Bildung spielt hierbei eine Schlüsselrolle und gehört in den Mittelpunkt unserer gesellschaftlichen Debatte.“

Der Festakt wurde durch unterhaltende Einlagen bereichert. Aachener Originale durften dabei nicht fehlen. So brillierte Dirk von Pezold in seiner Paraderolle als „Lennet Kann“ und brachte den Gästen ein Stück Aachener Geschichte näher. Die Schüler und Schülerinnen der Viktoriaschule Aachen überzeugten unter Leitung ihres Lehrers Krenne Aymans mit Zirkusakrobatik, Schüler der Aachener Theaterschule interpretierten mimisch sowie musikalisch die Emotionen der Menschen, die auf der Flucht sind. Ein weiterer Höhepunkt des Abends war der von jugendlichen Flüchtlingen gedrehte Film „Eine Banane für Mathe – Angekommen in Deutschland“.

Ehrungen
Die Kinderschutztage sind ein würdiger Rahmen, um verdiente und langjährige Ehrenamtliche des Kinderschutzbundes zu ehren. DKSB-Präsident Heinz Hilgers und die Geschäftsführerin des Ortsverbandes Aachen, Andrea Weyer, verliehen Gerd Vossen und Ulrich Gurr, die seit über zehn Jahren im Vorstand des Ortsverbandes Aachen e.V. tätig sind, die Silberne Ehrennadel des Bundesverbandes.

Die Goldene Ehrennadel des Bundesverbandes erhielten die Aachener Brigitte Radke, Lotte Jennes-Rosenthal und Ludger Berning, die schon seit 20 Jahren ehrenamtlich für den Aachener Kinderschutzbund aktiv sind, sowie Michael Mützel vom Kreisverband Lüchow-Dannenberg.

Ekkehard Mutschler, Jugendmedienschutzbeauftragter und Mitglied des DKSB-Bundesvorstandes, hat für seine besonderen Verdienste das Silberne Ehrenzeichen des Deutschen Kinderschutzbundes verliehen bekommen. Nach der Ehrenordnung ist es die höchste Auszeichnung, die der Bundesverband ehrenamtlich im DKSB Engagierten verleihen kann.

Oberstes Beschlussorgan des Deutschen Kinderschutzbundes ist die jährliche Bundesmitgliederversammlung, die an den sogenannten
Kinderschutztagen – dieses Jahr am heutigen Samstag, 21. Mai, in Aachen – stattfindet.

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