Deutscher Kinderschutzbund Bundesverband e.V.
29.08.2017

Kinderarmut auf neuem Hoch: DKSB fordert grundlegende Reform der Kinder- und Familienförderung


Berlin, 29. August 2017. Das Armutsrisiko von Kindern ist erneut gewachsen. Nach Zahlen des Statistischen Bundesamtes stieg es im Jahr 2016 auf 20,2 Prozent, trotz guter Wirtschaftslage und niedriger Arbeitslosigkeit. Der Deutsche Kinderschutzbund (DKSB) kritisiert eine bürokratische Kinder- und Familienförderung, die am tatsächlichen Bedarf vorbeigeht, und fordert die Einführung einer Kindergrundsicherung.

„Kinderarmut ist auf einem neuen Hoch – und das trotz boomender Wirtschaft und niedriger Arbeitslosigkeit“, stellt DKSB-Präsident Heinz Hilgers fest. Einer der Gründe: Arbeit schützt nicht mehr vor Armut. Vor allem, wenn Kinder da sind. Fast eine Million Kinder lebten nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit 2016 in Haushalten, wo die Eltern trotz ihrer Berufstätigkeit mit Hartz IV aufstocken mussten. „Wenn wir dazu noch Kinderzuschlag und Wohngeld zählen, sind 1,5 Mio. Kinder von staatlichen Leistungen abhängig – trotz Erwerbsarbeit ihrer Eltern. Diese haben nicht mehr Geld zur Verfügung, als würden sie keiner Arbeit nachgehen. Verantwortlich dafür ist auch eine völlig verfehlte Kinder- und Familienförderung. Kinder sind und bleiben heute für viel zu viele Familien ein Armutsrisiko“, kritisiert Hilgers.

Trotz Erwerbsarbeit von Unterstützungsleistungen abhängig zu sein ist ein riesiger Stressfaktor und beschämend für Eltern und Kinder. Auch wenn sie weniger verdienen als andere, wollen Eltern Vorbilder für ihre Kinder sein. „Aber gleichzeitig müssen sie ständig Rechenschaft ablegen und Berge von Anträgen ausfüllen. Geldgeschenke zum Geburtstag der Kinder müssen offen gelegt oder für jede zusätzliche Leistung der Kinder, wie Klassenfahrt und Zoobesuch, ein weiterer Antrag gestellt werden.“, erklärt Heinz Hilgers.

Ein Aufwachsen in Armut geht oft mit Erfahrungen von Ausgrenzung, Stigmatisierung und emotionaler Belastung einher, die von Kindern tief empfunden wird. „Dabei ist es doch unsere Aufgabe, dafür zu sorgen, dass Kinder unbeschwert aufwachsen können und zu starken und selbstbewussten Persönlichkeiten werden. Das geht nur, wenn alle Kinder von Anfang an die gleichen Chancen haben“, sagt Heinz Hilgers.

Der Deutsche Kinderschutzbund fordert daher die Einführung einer Kindergrundsicherung in Höhe von 573 Euro monatlich für jedes Kind. Sie orientiert sich daran, was Kinder tatsächlich für ein gutes Aufwachsen benötigen und verhindert so Kinderarmut nachhaltig. Der DKSB setzt sich im Bündnis KINDERGRUNDSICHERUNG zusammen mit zehn weiteren Verbänden und 13 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern für die Einführung einer Kindergrundsicherung ein.

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